: Claudia Schuh, Heidi Werder: Die Muse küsst und dann? Lust und Last im kreativen Prozess, Karger Verlag, Basel, Freiburg, 2006, CHF 45.-
(Isabelle Meier, Oktober 2007)
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Der Körper erinnert sich, Die Psychophysiologie des Traumas und der Traumabehandlung, Rothschild Babette, Synthesis 2002
Babette Rothschilds Buch hat explizit das Ziel, einerseits die Kluft zwischen Wissenschaft und Praxis und andererseits die Kluft zwischen den Körpertherapien und der Psychotherapie zu überwinden und Brücken zu bauen.
Ihre Zusammenfassung der neuesten Erkenntnisse darüber, was im Körper, d.h. im autonomen und im somatischen Nervensystem und im Gehirn beim Erleben eines traumatischen Ereignisses abläuft, ist auf dem neuesten Forschungsstand und fasst vieles in einem hilfreichen Ueberblick zusammen.
Wichtiges wird über Gehirnentwicklung und Trauma vermittelt, dort nicht zuletzt im Zusammenhang mit den Auswirkungen einer sicheren Bindung in der Kindheit als (gehirnorganische) Ressource bei späteren Traumatisierungen.
Da wir ja nicht mit dem traumatischen Ereignis selbst, sondern mit den seelischen und körperlichen Erinnerungen an das Ereignis und mit seinen Folgen arbeiten, sind die Ergebnisse der modernen Gedächtnisforschung für uns besonders wichtig.
Wie das ganze Buch braucht auch der Abschnitt zu diesem Thema (Kapitel 3 und 4 des ersten Teils) etwas Zeit zum Verdauen und man sollte sich weder hetzen noch abschrecken lassen. Andererseits ist er nämlich streckenweise auch spannend wie ein Krimi und enthält immer wieder auch Beispiele und einfache Uebungen.
Was Rothschild über "implizites und explizites Gedächtnis" schreibt, war für mich eine willkommene Gelegenheit. die Struktur des limbischen Systems noch einmal von einer anderen Seite her ein für allemal zu verstehen!
Der praktische Teil des Buches ist für psychotherapeutisch Tätige nicht zuletzt deshalb wichtig, weil sich Rothschild in diesem Buch bewusst auf Körpertechniken konzentriert, die keine Berührung durch die TherapeutIn erfordern.
Für das langsame und behutsame "Zurückgewinnen" des Körpers durch genaues Wahrnehmen, eigenes Berühren, Vertiefen und Einordnen des Erlebten im therapeutischen Gespräch gibt es anschauliche Beschreibungen, Therapieprotokolle und praktische Anregungen.
Wir bekommen eine Fülle von Hinweisen, wie wir uns selbst und unsere Wahrnehmung besser kennenlernen und schulen und wie wir damit Traumaüberlebende auch auf der körperlichen Ebene ganzheitlich unterstützen können.
(Ursula Hohler, Oktober 2006)
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Trauma-Heilung, Das Erwachen des Tigers, Levine, Peter A., Synthesis 1998
Peter Levine hat einmal einen Vortrag am Jung-Institut gegeben und ist wohl vielen Kolleginnen und Kollegen kein Unbekannter, seine Methode der Traumaarbeit SE (Somatic Experiencing) ist in der Schweiz bekannt und verbreitet sich immer mehr (1).
Vieles in diesem Buch behandelt die gleichen Erkenntnisse wie das oben besprochene von Rothschild. Levine nimmt uns aber sozusagen in einem weiten Bogen mit auf eine lange Reise durch die Geschichte des tierischen und menschlichen Lebens auf unserem Planeten und schliesst diesen Bogen ab mit einem eindringlichen Appell zur Ganzheit: "Indem wir lernen, Körperempfindungen zu erkennen und zu ihnen in Kontakt zu treten, nehmen wir die Verbindung zu unseren instinktiven Ursprüngen im Reptilienhirn auf. Für sich genommen sind Instinkte nichts weiter als Reaktionen. Doch wenn diese Reaktionen durch unser gefühlsorientiertes Säugerhirn und unsere typisch menschlichen kognitiven Fähigkeiten ergänzt werden, erleben wir die Fülle unseres evolutionären Erbes."
Das Buch ist einfach und eingängig geschrieben, was aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, aus welcher Fülle es schöpft. Es hat vier Teile: Der Körper als Heiler, Traumasymptome, Traumatransformation und Erste Hilfe bei Traumata. Obschon Levine selbstverständlich seine SE-Theorie einführt und an vielen eindrücklichen Beispielen demonstriert, empfehle ich das Buch nicht primär als Lehrbuch (wer SE lernen will geht am besten in die Kurse), sondern eher als Buch zum immer wieder lesen, wenn man eigene Erfahrungen und Fragen reflektieren, einordnen und vertiefen möchte. Und als Nachschlagewerk für erste Hilfe bei Traumata, ganz besonders, wenn es um Kinder geht (2).
(1) weitere Informationen unter www.traumahealing.com
(2) zum Thema Traumabehandlung bei Kindern ist soeben erschienen: "Verwundete Kinderseelen heilen", Maggie Klein und Peter A. Levine, München 2005
(Ursula Hohler, Oktober 2006)
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Früh verletzte Seelen. Wie Märchen Halt geben, Hanna Hadorn (2006), Walter, Düsseldorf
Das Buch von Hanna Hadorn ist für Betroffene wie für Fachleute eine wertvolle Lektüre, indem es durch die Symbolsprache der Märchen einen neuen Zugang für das Verständnis von frühen Traumatisierungen herstellt. Meist handelt es sich dabei ja um vergessene oder überhaupt nicht erinnerbare Verletzungen, die im späteren Leben nur noch in Körpersymptomen und psychischen Störungen versteckt in Erscheinung treten. Durch die neurobiologischen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte sind neue therapeutische Ansätze entstanden (eg. Peter A. Levine, Judith Hermann, L. Reddemann, B. Rothschild, Van der Kolk, U. Wirtz), die auch auf das Jungsche Therapieverständnis eine Auswirkung haben und einen vertieften Zugang zu den Körperempfindungen im Patienten und Therapeuten und den Symbolbildungen schafft.
In diesem Buch wird dies anhand von 6 Märchen eindrücklich dargestellt und erläutert. Es sind damit exemplarische Lebensschicksale aufgezeigt, die als eine Vielfalt von Suchwanderungen den Menschen in versöhnender Weise zu sich selber führen. Es wird den Fragen nachgegangen, wie sich ein Kind fühlen muss, das frühe seelische Verletzungen erlebt hat. Welchen Gefahren ist es ausgesetzt, wie bewegt es sich - auch später als Erwachsener in der Welt, welche Reaktionen entstehen bei den Bezugspersonen und damit auch beim Therapeuten? Dieser kann in seiner Gegenübertragung auf hilfreiche Symbole stossen, aber auch heftige Gefühlsreaktionen empfinden, die sorgfältig reflektiert sein müssen. Die manchmal jahrelang anhaltenden "Teufelskreise" können sich im therapeutischen Raum lähmend ausbreiten, und es kann oft lange dauern, bis der Patient zu seinen eigenen Ressourcen durchdringt. Es braucht dazu eine geduldige, nicht vorantreiben wollende Haltung des Therapeuten, damit auch da Freiraum und nicht Hörigkeit entsteht. Die Autorin drückt das sehr schön aus: "Dem anderen meine Gefühle leihen." Es gelingt ihr, eine unmittelbare Lebendigkeit herzustellen durch den ständigen Wechsel zwischen der Symbolsprache gedeuteter Märchenbilder und zahlreichen Fallvignetten. Dadurch entsteht ein ganz realer Lebensbezug. Dank der Märchensymbolik ist es einerseits möglich, ein Verständnis für die Sprachlosigkeit der ersten Lebensjahre zu schaffen, andererseits führt sie zu den in der Seele enthaltenen Ressourcen hin, durch deren Integration die blockierte Lebensenergie wieder ins Fliessen kommt.
(Annemarie Moser Oktober 2006)
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Träume. Die geheimnisvolle Sprache des Unbewussten, Kast Verena (2006)
Walter, Düsseldorf
Wenn Verena Kast ein Thema aufgreift, das heute wieder aktuell und deshalb in vieler Munde ist, "Träume. Die geheimnisvolle Sprache des Unbewussten", so ist es ihre Sache nicht, darüber nur etwas bereits Bekanntes zu sagen. Ihr neues Buch bietet auch denen, die mit Jungscher Traumdeutung vertraut sind, durchaus Überraschendes. Wem unter uns wäre zum Beispiel bisher aufgefallen, dass es bei Jung eine doppelte Traumtheorie gibt, im Grunde genommen zwei Traumtheorien?
Neben Jungs Theorie der Träume als Kompensation der bewussten Haltung aber existiert, das arbeitet Kast klar heraus, bei ihm eine weitere Traumtheorie, die von den Komplexen als Verursacher der Träume ausgeht, insofern sich für ihn die Komplexe als "die handelnden Personen unserer Träume" darstellen und somit wie personifiziert in den Träumen auftreten.
Als ausgewiesene Erforscherin der Komplexe mit ihrer zentralen Bedeutung in der Jungschen Psychologie und Psychotherapie erhellt Kast vor allem die Verbindungen zwischen Komplex, Emotion, Symbol und Traum. So sei es die leitende Emotion eines Traumes, die auf den zugrundeliegenden Komplex hinweise.
Im Zusammenhang mit der bisher bekannteren Jungschen Traumtheorie, der möglichen Kompensation einer einseitigen bewussten Einstellung z.B. durch archetypische Traumbilder, belegt Kast das Jungsche Konzept der Archetypen auch durch das neurowissenschaftliche der "handlungsleitenden inneren Bilder", wie es Gerald Hüther vertritt. Der durchgehende Dialog mit der neurowissenschaftlichen Traumforschung gehört zu den besonderen Vorzügen dieses Buches, die es meines Wissens bisher mit keiner Veröffentlichung zur Jungschen Traumtheorie teilt: So vermittelt Kast zum Beispiel die Hypothese des Psychiaters und Neurowissenschaftlers Ernest Hartmann, nach der Träume vor allem neue Verbindungen im Gehirn herzustellen vermögen, mehr als im Wachbewusstsein möglich, so dass Träume "hyperconnective" sind, wodurch sogar Traumata "verträumt" werden können ; auch im Blick auf den Trauerprozess und die Regulation von Emotionen überhaupt, erscheint die Hypothese Hartmanns als äusserst relevant.
Für alle, die mit Träumen arbeiten, kann der dritte Teil des Buches eine Fundgrube von Anregungen für einen schöpferischen Umgang mit Träumen sein. Kast betont besonders die natürliche Verbindung zwischen Imagination und Traum und deren Kombinierbarkeit beim therapeutischen Ausschöpfen des Traumes. Ob im Umgang mit Initial- oder mit Alpträumen, mit Übertragungsträumen oder auch mit archetypischen Träumen: das Wahrnehmen und schöpferische Ausfantasieren von Symbolen erweist sich immer neu als Zugang zu den heilenden Kräften, die der Traum erschliesst.
Verena Kasts neues Buch, nüchtern und konzentriert geschrieben, jeder Mystifizierung des Träumens abhold, erweist sich gleichwohl als inspirierend. Es sagt nicht alles das über Träume, was man heute schon wissen kann, sondern das, was man bisher vermisste, und was deshalb überraschende neue Perspektiven zum Verständnis der Träume eröffnet.
(Ingrid Riedel, September 2006)
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Alchemy, New Orleans, LA, Spring Journal 74, 2006. 354 pages.
This new volume in the Spring journal series is a most attractively designed and intellectually engaging book. It includes 14 articles on alchemy by such well known Jungian analysts as Stanton Marlan, Wolfgang Giegerich, Robert Bosnak, and Nathan Schwartz-Salant. Stanton Marlan's article opens the collection with a cogent reflection titled "From the Black Sun to the Philosopher's Stone" in which he carefully compares and contrasts James Hillman's and Wolfgang Giegerich's renditions of the philosopher's stone and proposes his own intermediate option. Wolfgang Giegerich follows with a predictably provocative essay, "Closure and Setting Free of the Bottled Spirit of Alchemy and Psychology," in which he brings his biting wit and imposing intelligence to bear on a key Jungian concept, the unconscious. Gus Cwik, a Chicago analyst, takes up with good result the second half of the Rosarium Philosophorum (pictures 11-20), which Jung omitted from his famous essay of transference. The book concludes with a film review and several penetrating book reviews. The cover of the book is stunning, featuring the painting by Remedios Varo, "Useless Science or the Alchemist."
(Murray Stein, 26. Juli 2006)
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Psychotherapieausbildung im Licht empirischer Psychotherapieforschung, Berns U. (2006)
Psychotherapeut 51:26-34
Berns fasst den Forschungsstand bezüglich der Wirkung einzelner Therapieverfahren zusammen. Er referiert dabei vor allem den amerikanischen Forscher BE Wampold, der englischsprachige Studien der letzten 60 Jahre in den Bereichen Verhaltenstherapie, dynamische und humanistische Psychotherapie untersuchte. Wampold fand heraus, dass Psychotherapie grundsätzlich eine absolute Effektstärke von 0.8 besitzt, das heisst dass etwa 79 Prozent aller Patienten davon unabhängig von der Therapierichtung profitieren können. Auch andere Studien kommen zum Schluss der Wirkungsäquivalenz der Therapieverfahren. Selbst in den sonst den Verhaltenstherapie überlassenen Domänen der Phobien, Angstneurosen und Depressionen sind dynamische Therapien gleich wirksam. Wampold fand weiter heraus, dass es keine ausgeprägten spezifischen Wirkfaktoren gibt, dass diese lediglich maximal 8% der Gesamtwirksamkeit ausmachen. Viel wichtiger, nämlich zu 70% der Gesamtwirksamkeit, sind die generellen Wirkfaktoren. Damit ist das Arbeitsbündnis, die Allegianz (Glaube des Therapeuten und des Klienten an die Therapiekonzepte), die Empathie und die Therapeutenpersönlichkeit gemeint. Der Rest von 22% machen bisher unerforschte Therapeutenvariablen und spezifische Eigenschaften der Patienten aus.
Das neueste Heft des "Psychotherapeut" behandelt in verschiedenen Artikeln das derzeit bekannte Thema ADHS bei Kindern und Jugendlichen. Darin ist u. a. ein Überblicksartikel über 47 ADHS-Studien enthalten, die diese Störung wissenschaftlich untersuchen. Psychotherapeut 51: 2, März 2006.
(Isabelle Meier, 26. Juli 2006)
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Seele und Forschung. Ein Brückenschlag in der Psychotherapie, G. Mattanza, I. Meier, M. Schlegel (Hrsg.), Freiburg 2006, 239 Seiten.
Mit Ausführlichem Literatur- und Sachwortverzeichnis.
Seelische Veränderungen lassen sich wissenschaftlich untersuchen. Das vorliegende Buch schlagt eine Brücke zwischen der Analytischen Psychotherapie nach C.G. Jung und der wissenschaftlichen Forschung.
Ein kleines Team von Praktikern in der Schweiz führte zusammen mit der Gruppe um Professor Gert Rudolf, ehemals Direktor der Psychosomatischen Universitätsklinik in Heidelberg, die Praxisstudie Analytische Langzeittherapie (PAL) durch. Dieses naturalistische Forschungsdesign erlaubt es, sowohl die Prozesse als auch die Ergebnisse Analytischer Psychotherapie zu untersuchen. Acht Jahre lang wurden verschiedene Facetten therapeutischer Prozesse von Patienten, Therapeuten und Untersuchern beobachtet sowie qualitativ und quantitativ bewertet. Mit diesem Design gelang der Nachweis, dass Analytische Psychotherapien effizient sind.
Das vorliegende Buch gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil thematisiert die Seele als Forschungsobjekt. Der zweite Teil präsentiert die Ergebnisse der Version Schweiz der PAL-Studie, die von Analytikern und Analytikerinnen der Schweizerischen Gesellschaft für Analytische Psychologie, SGAP, inhaltlich getragen wurde. Der dritte Teil greift das Thema "Seele und Forschung" im Lichte heutiger Entwicklungen in Psychotherapie und Wissenschaft auf.
Ein Brückenschlag von der Bedeutung der Seele bei C.G. Jung bis zu den neurobiologischen Grundlagen von Imaginationen, von Sinnfindung und Gesundheit bis zur modernen Psychotherapieforschung.
(August 2006)