Weiterführende Literatur

•  Jung, Carl Gustav: Gesammelte Werke 1 – 20, Patmos-Walter 1966-1994
•  Jung, Carl Gustav: Das Rote Buch, Patmos 2009  [zum Inhalt s. unten]
•  Jung, Carl Gustav: Briefe I - III (1906-1961), Patmos 1973/2012  [zum Inhalt s. unten]
•  Jung, C. G. / Jaffé, Aniela: Erinnerungen, Träume, Gedanken von C. G. Jung. Autobiografie. Walter 1999  [zum Inhalt s. unten]
•  Jung, C. G., Franz, M.-L., Henderson, J., L.: Der Mensch und seine Symbole. Walter 1999  [zum Inhalt s. unten]

Medienbeiträge, Interviews
•  diverse auf YouTube 
•  Radio Bayern2, Normal zu sein, ist das Ideal der Mittelmässigen, von Gabriele Bondy

C.G.Jung-Institute Library English books pdf
ISAP Library catalog www
Antenne Romand Bibliothèque pdf

•  Bair, Deirdre: C.G. Jung: Eine Biographie. Knaus 2005
•  Dieckmann, Hans: Methoden der Analytischen Psychologie, www.opus-magnum.de, 2004
•  Franz, Marie-Louise von: C. G. Jung. Leben, Werk und Visionen. Königsfurt 2001
•  Jacobi, Jolande: Die Psychologie von C. G. Jung. Fischer TB 1977
•  Jaffé, A.: C. G. Jung. Bild und Wort. Biografie und Bildband. Walter 1983
•  Kast, Verena: Die Dynamik der Symbole. Grundlagen der Jungschen Psychotherapie. DTV 1996
•  Müller, Lutz; Müller, Anette (Hrsg.): Wörterbuch der Analytischen Psychologie. Walter 2003
•  Müller, Lutz; Müller, Anette (unter Mitarbeit von Günter Langwieler und Thomas Schwind): Praxis der Analytischen Psychologie. Ein Lehrbuch für eine integrative Psychotherapie. Kohlhammer 2018
•  Roesler, Christian: Analytische Psychologie heute. Der aktuelle Stand der Forschung zur Psychologie C.G.Jungs. Karger 2010
•  Roesler, Christian: Das Archetypenkonzept C.G.Jungs. Theorie, Forschung und Anwendung. Kohlhammer 2016
•  Samuels, Andrew: Jung und seine Nachfolger. Klett-Kotta 1999
•  Schnocks, Dieter: Mit C. G. Jung sich selbst verstehen: Acht Erkenntnisaufgaben auf unserem Individuationsweg. Kohlhammer 2013
•  Stevens, Anthony: Das Phänomen C. G. Jung. Walter 1993
•  Vogel, Ralf: C.G.Jung für die Praxis. Zur Integration jungianischer Methoden in psychotherapeutische Behandlungen. Kohlhammer 2008
•  Wehr, Gerhard: Carl Gustav Jung. Leben, Werk und Wirkung. Telesma 2009 / opus magnum 2014

 

Das Rote Buch dokumentiert C. G. Jungs Auseinandersetzung mit dem Unbewussten und enthält als eine Art Tagebuch seine Träume, Visionen und Phantasien – Material, das Jung später als „Urstoff für ein Lebenswerk“ bezeichnet hat. Im Nachwort schrieb er: „Ich habe an diesem auch 16 Jahre lang gearbeitet. Dem oberflächlichen Betrachter wird es wie eine Verrücktheit vorkommen. Es wäre auch zu einer solchen geworden, wenn ich die überwältigende Kraft der ursprünglichen Erlebnisse nicht hätte auffangen können. Ich wusste immer, dass jene Erlebnisse Kostbares enthielten, und darum wusste ich nichts Besseres, als sie in ein ‚kostbares‘, d.h. teures Buch aufzuschreiben ...“

Noch kurz vor seinem Tode, zu Beginn seines neunten Jahrzehnts, hat C. G. Jung wesentliche Gedanken über sein Werden und sein Werk seiner Mitarbeiterin und Sekretärin Aniela Jaffé erzählt und sie mit der Aufzeichnung und Gestaltung betraut. Einzelne Teile hat er als seinen Beitrag zu dem Buch selber verfasst. Die ersten Kapitel handeln von den Kinder-, Jugend- und Studentenjahren, die im Keim enthielten, was später Form wurde. Weitere Kapitel werfen ein Licht auf die Tätigkeit des Psychiaters, die Begegnung mit Freud, sowie auf die Entstehung des wissenschaftlichen Werkes. Ausführlich werden auch die Reisen nach Afrika und Indien geschildert. Das Buch ist jedoch keine Biographie im Sinne einer chronologischen Erzählung des Lebens und der Begegnungen, sondern der Schwerpunkt liegt bei den inneren Erfahrungen. Die Erinnerungen sind Berichte von Jungs Träumen und Visionen, über seine Gedanken, über ein Leben nach dem Tode, vor allem aber über seine Auseinandersetzung mit den Fragen der Religion. Diese Aufzeichnungen eröffnen überraschende Ausblicke sowohl für den, der mit dem Werk C. G. Jungs vertraut ist, wie auch für den, der sich bisher noch nicht mit ihm beschäftigt hat. Es gibt wohl kaum eine bessere Einführung in die Geisteswelt eines Forschers als den Bericht über das, was an subjektivem Erleben hinter seinen Ideen und Erkenntnissen steht. Diesen Zweck erfüllt das Buch in hohem Masse.

Dieses grossartige Buch ist das Vermächtnis Carl Gustav Jungs an die Nichtfachwelt. Seine Arbeit und seine Gedanken einem weiteren Publikum verständlich zu machen hatte Jung lange für unfruchtbar gehalten. Nach einem sehr erfolgreichen BBC-Interview jedoch, das besonders einfache Menschen angesprochen hatte, die von Jungs Persönlichkeit, seinem Charme, seinem Humor und seiner Bescheidenheit gefangen waren, konnte er dann doch für die vorliegende Arbeit gewonnen werden. Dabei suchte er sich selbst seine Mitarbeiter an diesem Werk aus: Fräulein Dr. Marie-Louise von Franz, seine wohl engste und Vertrauteste Mitarbeiterin; Dr. Joseph L. Henderson, einer der prominentesten Jungianer in Amerika; Frau Aniela Jaffé, die nicht nur eine erfahrene Analytikerin ist, sondern auch Jungs Privatsekretärin war und seine Biographie geschrieben hat, und Frau Dr. Jolande Jacobi, die nach Jung die erfahrenste Autorin unter den Zürcher Jungianern ist. Im ersten umfangreichen Kapitel, das C. G. Jung zehn Tage vor seiner letzten Krankheit abschloss, erschliesst er den Zugang zum Unbewussten. Henderson veranschaulicht archetypische Figuren und Konstellationen in der antiken Mythologie, in Volksmärchen und primitiven Riten. Marie-Louise von Franz beschreibt, wie sich im „Individuationsprozess“ das Bewusste und das Unbewusste kennenlernen und ergänzen. Aniela Jaffé erschliesst die Symbole des Unbewussten an Kunstwerken. Schliesslich gibt Jolande Jacobi den verkürzten Bericht einer erfolgreichen Analyse. — Die  etwa 490 teils farbigen Abbildungen ergänzen und interpretieren den Text in einmaliger Weise.

Die dreibändige Sammlung enthält rund 1000 Briefe Jungs vorwiegend wissenschaftlichen Charakters. Jeder der drei Bände ist mit einem umfangreichen wissenschaftlichen Apparat versehen:  Zahlreiche Anmerkungen erleichtern durch sachliche und personelle Erklärungen, Hinweise auf Jungs Werke und Zitate aus Gegenbriefen das Verständnis. Jedem Band ist ein Personen- und Sachregister beigefügt.

Der erste Band beginnt mit den Briefen aus der Zeit vor der Trennung C. G. Jungs von der psychoanalytischen Schule, mit Briefen an Karl Abraham, Sandor Ferenczi, Sigmund Freud und andere Mitglieder des damaligen Freud-Kreises. Dazu kommen Briefe Jungs an seine damals achtjährige Tochter Marianne, an Hermann Hesse, Graf Keyserling (mit einigen interessanten Traumdeutungen), an Rudolf Pannwitz, James Joyce und Alfred Kubin. Briefe an Theologen und Seelsorger erläutern Jungs psychologischen Standpunkt gegenüber dem Standpunkt des Glaubens. in andern Briefen spiegeln sich Eindrücke und Erkenntnisse, die Jung auf seinen Reisen nach Afrika, Indien und Amerika gewonnen hatte. Erwähnt seien zudem die Briefe an den Indologen Heinrich Zimmer, den Sinologen Richard Wilhelm und den Mythenforscher Karl Kerényi sowie an seinen Freund, den Basler Redakteur Albert Oeri. Der einer weitläufigen Korrespondenz entnommene Brief an den Physiker Wolfgang Pauli handelt von dem durch Pascual Jordan aufgeworfenen Problem des Hellsehens, und der nur wenig später datierte Brief an diesen selbst von der Beziehung zwischen Physik und Psychologie und von der Synchronizität. Der Briefwechsel mit dem Parapsychologen J. B. Rhine ist von prinzipieller Bedeutung. Eine große Anzahl Briefe an ungenannte Briefpartner und Fragesteller rundet den Band ab.

Im zweiten Band finden sich neben Erörterungen über Ehe, Pädagogik, Psychotherapie, psychosomatische Symptome und Geburtenbeschränkung Antworten auf Fragen nach Tod und Selbstmord, nach Christus und Glauben unter anderem Ausführungen über die Beziehung von Physik und Psychologie, über die Notwendigkeit erkenntnistheoretischer Beschränkung in der Wissenschaft, über Astrologie und Alchemie. Andere Briefe handeln von tiefenpsychologischen  Begriffen, von eigenen Werken, und es gibt einen Bericht über Jungs Begegnung mit Albert Einstein. Die Korrespondenz mit Rhine und Victor White wird weitergeführt. Die Korrespondenz mit seinen Schülern zeigt Jungs intensive menschliche Anteilnahme. Angeregt durch die Fragen der Briefpartner, formuliert er seine Anschauung und Gedanken in immer größerer Klarheit. Der Band wirkt sehr geschlossen, da er nur eine relativ kurze Zeitspanne umfaßt. Die große Zahl der Briefe muß auf Jungs wachsendes Interesse an der schriftlichen Auseinandersetzung mit den Menschen seiner Zeit zurückgeführt werden.
„Hat Jung in seiner Autobiografie in geradezu bekenntnishafter Offenheit in den Werdeprozeß der von ihm begründeten Analytischen Psychologie und damit in die Abläufe seiner innersten Erfahrung hineinblicken lassen, so stellen seine Briefe wertvolle Kontexte dar, deren Kenntnis für eine sachgemäße Beurteilung seiner Person wie seines Werkes nahezu unerläßlich ist.“ Gerhard Wehr in Schweizer Monatshefte, Zürich.

Der dritte und letzte Band umfaßt nur noch den Zeitraum von Jungs 81. bis 85. Lebensjahr, ein Beweis dafür, welch wichtigen Platz die Briefe in seinem Leben eingenommen hatten. Mehr und mehr waren sie an die Stelle der wissenschaftlichen Arbeit getreten und wurden zum Gefäß seiner schöpferischen Gedanken. Zugleich bildeten sie für den zurückgezogen lebenden Forscher eine Brücke zur Welt, eine Möglichkeit der Auseinandersetzung und Klärung seiner Auffassungen. Jung schrieb nur selten von sich aus, aber seinem Verantwortungsgefühl folgend beantwortete er in jenen späten Jahren nahezu alle Briefe, die an ihn gelangten. – Auch in diesem Band kommen Themen von größter Vielfalt zur Sprache. Es sind u.a. Fragen der Parapsychologie, die „Fliegenden Teller“, religiöse, ethische und psychotherapeutische Probleme. Von prinzipieller Bedeutung ist die Diskussion über den wissenschaftlichen Charakter des Archetypus-Begriffs mit Dr. E. A. Bennet, London. Eine Rückschau des 83jährigen auf seine Beziehung zu Freud, die psychologische Analyse des Lärmproblems, seine Stellungnahme zur modernen Kunst und die späten Briefe als Ausdruck des eigenen Lebensgefühls und seiner Sorge um die Zukunft der Welt seien aus der Fülle hervorgehoben. Jungs Äußerungen aus den letzten Lebensjahren zeigen ein Zusammenspiel von weittragender Intuition und strenger erkenntniskritischer Beschränkung und sind Ausdruck eines umfassenden Wissens und echter Menschlichkeit.